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Bergische Stechpalmen - auch in Radevormwald
Samstag, den 13. Januar 2007 um 19:13 Uhr
Ilex-FrüchteNicht nur zur Winterzeit - die Stechpalme. Ilex, die Stechpalme erkennt man auch im Winter leicht. Nur wenige mitteleuropäische Bäume tragen im Winter noch Blätter: Nadelbäume, wie Tanne, Fichte und Eibe, der Buchsbaum und allen anderen voran die Stechpalme. Solche immergrünen Bäume waren für die Menschen immer schon als Symbol des Lebens interessant - gerade im Winter, wo die Stechpalme auch noch mit roten Beeren prangt. Und so ist der Ilex eine typische Winterpflanze.

Dabei mag die Stechpalme gar keine harten Winter. Regnerisch, milde Winter ohne starken Frost, wie in diesem Jahr, sind eher ihr Ding. Ilex ist ein typischer Westeuropäer: Nordspanien, Frankreich, die britischen Inseln, Belgien, die Niederlande und der westliche Teil Deutschlands sind das Kern-Areal. Im westlichen Mittelmeerraum wird es der Stechpalme zu heiss und trocken - hier kommt sie nur in höheren Gebirgslagen vor, erreicht dabei aber sogar Nordafrika, Sizilien und Griechenland. Östlich einer Linie, die auf Rügen beginnt und dann über Braunschweig - Olpe - Koblenz - Darmstadt - dem Schwarzwald - am Nordrand der Alpen entlang führt um dann am Ostrand der Adria nach Süden abzuknicken, wird es der Stechpalme im Winter zu frostig. Ausschlaggebend sind extreme Fröste unter - 15 °C, die zum Absterben bis ins Holz führen. Die Verbreitungsgrenze geht am Ostrand des Oberbergischen entlang.
 
Ilex-Wald 

Stechpalmen können in milden Gebieten stattliche Dimensionen annehmen und bilden dann bis zu 15 m hohe und hunderte Jahre alte Bäume. Solche Ilex-Greise gibt es in Oberberg nicht. Hier zeigt sich die Stechpalme eher als Busch. Ilex-Büsche haben im „unteren Stockwerk" stachlige Blätter, die als Fraßschutz dienen. Ist der Busch aber aus der „Gefahrenzone" herausgewachsen - also höher als 2-3 m, dann entwickeln sich völlig andere Blätter ohne die Stacheln. Im Oberbergischen kommt die Stechpalme typischerweise in Buchenwäldern vor, fehlt aber auch nicht in alten Niederwäldern aus Eichen und Birken. Manchmal kommen die Ilex Büsche oder Bäume hier geradezu gehäuft vor - manchmal fehlen sie völlig. Hier spielt wohl auch die Vernichtung der Ilex-Pflanzen insbesondere in der Niederwald-Forstwirtschaft ursächlich mit. Dabei wäre Stechpalmen-Holz wirtschaftlich gar nicht ohne: früher wurde das dichte, schwere, aber gut polierfähige Holz für Intarsien oder Furniere verwendet. Und das teilweise fast bis zur Ausrottung.

Deswegen steht Ilex auch unter Schutz: Nach der Bundesartenschutzverordnung ist die Stechpalme besonders geschützt. Stechpalmenzweige im Wald abzuschneiden ist verboten. Zu Recht, denn die Beeren sind wichtige Winternahrung für die Vögel. Wer dennoch auf den winterlichen Zimmerschmuck nicht verzichten will, sollte sich eine junge Ilex-Pflanze über Baumschule oder Fachhandel für den eigenen Garten beschaffen. Die kann dann jedes Jahr zur winterlichen Wohnungs-Verschönerung beitragen. Dass der Ilex bei uns in Buchenhochwäldern vorkommt zeigt, wie konkurrenzstark er ist. Er gilt bei Gartenliebhabern als Problemlöser für schwierige Standorte. Gerade an schattigen und trockenen Stellen gedeiht er gut und bildet auch im Winter einen guten Sichtschutz. Selbst starken Rückschnitt nimmt er geduldig hin und treibt später umso üppiger aus, so dass er auch als Heckenpflanze eine gute Figur macht.

Der Waldbröler Apotheker Reiner Stegemann weiß um die 'inneren Werte': „ Ilex ist zwar nicht tödlich giftig, trotzdem würde ich gerade was kleine Kinder angeht, davor warnen. Man sollte nicht auf die Idee kommen Ilex Blätter oder Beeren zu essen! Als Heilpflanze hat unser europäischer Ilex (Ilex aquifolia) keine Bedeutung, sein südamerikanischer Verwandter (Ilex paraguensis) hingegen ist unter dem Namen 'Mate' auch bei uns als aromatisches, anregendes und appetithemmendes Teegetränk bekannt."

Ilex-Früchte 

Unter dem englischen Namen "Holly" ist die Stechpalme wahrscheinlich dem einen oder anderen Anhänger der Bachblütentherapie bekannt. Diese zu den alternativen Therapieformen gehörende Heilmethode geht auf den um die Jahrhundertwende lebenden Engländer Dr. Bach zurück. Sie bezieht sich auf die heilbringende Wirkung von insgesamt 38 Blütenessenzen und eine davon ist "Holly". Und wie Sie nun schon richtig vermuten: Auch die Filmmetropole Hollywood verdankt ihren Namen den dort früher heimischen Ilex-Beständen.

Übrigens: In Ermangelung von echten Palmenzweigen verwendete man früher Ilex-Zweige an Palmsonntag - daher auch der Name Stechpalme!

Text: NABU Oberberg
Bilder: NABU


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