| Biologische Station Oberberg bittet um Mithilfe |
| Freitag, den 28. September 2007 um 02:00 Uhr | |
Auch in diesem Jahr möchte die Biologische Station Oberberg wieder über die Beifuß-Ambrosie, die wegen ihrer allergenen Pollen eine Gefahr für den Menschen darstellt informieren und um Mithilfe zur Reduktion der Pflanzen bitten.
Der botanische Neubürger (wissenschaftlich: Neophyt), der ursprünglich aus Nordamerika stammt, wird dort treffend „Annual Ragwood (= Einjähriges Lumpenholz)“ genannt. Seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde das „Unkraut“ regelmäßig mit Gütern aus Nordamerika in die Binnenhäfen des Rheinlandes eingeschleppt. Von dort konnte die Pflanze jedoch niemals in das Bergische gelangen. Erst ihre Ausbreitung in Österreich, Ungarn und den Balkanländern führt zur fast allgegenwärtigen Präsenz durch Verunreinigung in Vogelfutter, welches aus diesen Ländern importiert wird. Daher sind alle Bürgerinnen und Bürger des Oberbergischen Kreises dazu aufgerufen, Funde der Pflanze an die Biologische Station Oberberg (BSO) unter der Nummer 0 22 93 – 90 15 28 zu melden (oder per Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ). Die Ambrosie, wegen ihrer Ähnlichkeit zum Beifuß auch Beifuß-Ambrosie genannt, ist eine der weltweit am stärksten allergieauslösenden Pflanzen. Da sie vom Wind bestäubt wird, bildet sie Millionen von mikroskopisch kleinen Pollen. Die Wirkung dieser Pollen auf Allergiker ist um ein vielfaches größer als die von Gräserpollen. Brisant ist, dass die Pflanze auch bei Menschen, die bisher noch von keiner Allergie betroffen sind, zu einer Allergie führen kann. Symptome reichen von heuschnupfenähnlichen Beschwerden bis hin zu Asthma und Atemnot. Da die Pflanze erst sehr spät, nämlich zwischen Mitte Juli bis in den Oktober hinein blüht, verlängert sich für Allergiker die Pollensaison bis in den Herbst. In der Landwirtschaft kann das aggressive Unkraut zu beachtlichen Ernteausfällen führen.
Die Ambrosie ist eine einjährige Pflanze, die bis zu einem Meter hoch werden kann. Die Ähnlichkeit zum gemeinen Beifuß ist gegeben, das Gesamterscheinungsbild ist jedoch üppiger, die Pflanze ist insgesamt ausladender, das heißt breiter, und die Blütenstände sind schlanker und länger. Sie bevorzugt sonnige, offene Standorte, z.B. auf Brachen. Weitere Verwechslungsmöglichkeiten könnten Weißer Gänsefuß (Chenopodium album) oder unter Umständen sogar Wermut (Artemisia absinthium) sein.
Wenn eine gebietsfremde Pflanze sich erst einmal ausgebreitet hat, ist es kaum noch möglich, sie zurückzudrängen. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig zu reagieren. Die Ergebnisse der Meldungen vom letzten Jahr zeigen, dass die Ambrosie im Oberbergischen hauptsächlich dort aufgetreten ist, wo im Winter die Vögel gefüttert wurden. Untersuchungen haben gezeigt, dass in einem Kilogramm Vogelfutter bis zu 350 der 3mm großen Samen mit ihrem charakteristischen Zackenkranz enthalten sind. Besonders Sonnenblumenkerne sind durch Verunreinigungen betroffen. Wenn möglich sollten die gesamten Pflanzen deshalb noch vor der Blüte entsorgt werden. So kann unter Umständen eine weitere Ausbreitung und die Ausstreu der allergieauslösenden Pollen verhindert werden. Hierzu reißt man die Pflanze am besten mit der Wurzel aus und steckt sie in die Biotonne oder falls nicht vorhanden- fest in eine Plastiktüte verpackt - in die Graue Tonne. Auf keinen Fall sollte man die Pflanzenteile auf dem Kompost entsorgen. Da die Pflanze in diesen Wochen jedoch anfängt zu blühen, sollte gegebenenfalls mit einem Mundstaubschutz gearbeitet werden, um die Pollen nicht in die Atemwege gelangen zu lassen. Auch das Tragen von Handschuhen wird empfohlen, damit es zu keinem Hautkontakt kommt. Bewegt man die Pflanze während der Blüte, steht man förmlich in einer Wolke von gelben Pollen. Nur Zurückschneiden reicht nicht aus. Die Pflanze treibt wieder aus und kann sogar zur Blüte kommen. Es ist zwar ausdrückliche Vorsicht im Umgang mit der Ambrosie geboten, das Motto sollte allerdings weiterhin „keine Panik!“ lauten. Bisher hat keiner der betroffenen Anrufer bei der Biologischen Station über Allergiesymptome klagen müssen. Die Experten hoffen jedoch, dass sich die weitere Ausbreitung des Neulings hier noch verhindern lässt. Weitere Informationen unter: www.ambrosia.de www.bba.bund.de/ambrosia www.ambrosiainfo.de Foto: Biologische Station Oberberg |