Edward Elgar war der Sohn eines Musikalienhändlers, Klavierstimmers und Organisten und erlebte seine ersten Jahre über der elterlichen Musikalienhandlung. Sein Umfeld war sehr stark von Musik geprägt, dennoch konnten sich Elgars Eltern die musikalische Ausbildung ihres Sohnes finanziell nicht leisten. Fasziniert von der Musik erlernte Elgar daher das Spielen verschiedener Instrumente autodidaktisch und studierte die im elterlichen Geschäft die zahlreich vorhandenen Bücher und Noten. Für ein von ihm formiertes Bläserquintett komponierte er seine ersten Werke – einfache und gefällige Gebrauchsmusik zur sonntäglichen Aufführung. Erst mit 20 Jahren nahm Elgar den ersten Violinunterricht, das Kompo-nieren lernte er weitgehend autodidaktisch. Obwohl er sich als Katholik im protestantischen England religiösen Vorurteilen ausgesetzt sah und der spätviktorianische Standesdünkel ihn gern und oft auf seine niedere Herkunft verwies, konnte Elgar bereits 1882 von der Musik leben. Er gab Violinunterricht, komponierte für lokale Musikgesellschaften, wurde 1882 in Worcester Konzertmeister und 1885 als Nachfolger seines Vaters Organist an der Kirche St. George.
1889 heiratete Elgar seine Violinschülerin Caroline Alice Roberts, Tochter eines Generalmajors, der die Heirat zu verhindern suchte, da sie als nicht standesgemäß galt. Dennoch verbesserte sich durch die Heirat der gesellschaftliche Stand Elgars. Seine Frau unterstützte ihn in seinem kompositorischen Bestreben, bald lebte er als freischaffender Komponist. Mit Alice erlebte Elgar die glücklichste Zeit seines Lebens; sie unternahmen viele Reisen, die sie u.a. mehrfach nach Bayern führten, um dort Aufführungen von Wagner besuchen zu können. Sie besuchten aber auch kleinere bayerische Ortschaften und wanderten in den Alpen. Landaschaft, das bäuerliche Leben, das Liedgut und die Schuhplattler-Tänze inspirierten Alice zum Schreiben von Gedichten, die Elgar vertonte und die als „Scenes from the Bavarian Highlands“ bekannt wurden und die Zusammenarbeit der Eheleute zeigen.
Der endgültige Durchbruch als Komponist gelang Elgar 1899 mit seinen „Enigma-Variationen“ und ein Jahr später mit dem Oratorium „The Dream of Gerontius“. Als sein weithin bekanntestes Werk gilt „Land of Hope and Glory“ auf Basis des „Pomp and Circumstance March No. 1“. Neben „Rule Britannia“ und „God Save the Queen/King“ ist es die bekannteste britische Hymne. Unter anderem wird es alljährlich bei der „Last Night of the Proms“ sowie als englische Nationalhymne bei den Commonwealth Games gespielt. Wegen der großen Popularität dieses Werks wurde Elgars musikalisches Schaffen von der Nachwelt, größtenteils zu Unrecht, auf seine patriotischen Werke beschränkt. Tatsächlich blieb Elgar Zeit seines Lebens trotz seines Erfolgs und seiner zahlreichen Ehrungen (1904 wurde er sogar geadelt, heute ziert sein Gesicht die englische 20-Pfund-Geldnote) gegenüber seinen Landsleuten misstrauisch, er glaubte nicht denen, die ihn früher verachtet hatten und ihn nun in den Himmel hoben.
1920 starb Caroline Alice Elgar, der Kummer über ihren Tod ließ Elgars Schaffenskraft versiegen. Sein Kompositionsstil wurde darüber hinaus in den Zwanziger Jahren als altmodisch angesehen. Dennoch griff er das Komponieren in den Dreißiger Jahren noch einmal auf und arbeitete u.a. an seiner dritten Sinfonie. 1933 dirigierte er in Paris sein Violinkonzert, Solist war der junge Yehudi Menuhin. Im selben Jahr wurde bei Elgar eine bösartige Krebsgeschwulst entdeckt; am 23. Februar 1934 erlag er seinem Leiden.
Elgar war der erste herausragende englische Komponist seit Purcell und einer der bedeutendsten Vertreter der musikalischen Spätromantik. Er wurde vielfach allzu eingeschränkt als Vertreter einer vergangenen, imperialen Epoche gesehen, doch zeigen seine besten Werke einen bemerkenswerten musikalischen Empfindungsreichtum. Verdienstvoll ist auch seine Wiederbelebung der Gattung des Oratoriums.
Über den Komponisten Charles Hubert Hastings Parry (1848–1918):
Charles Hubert Hastings Parry wurde als zweiter Sohn von Thomas Gabier Parry in eine Familie der englischen Ober-schicht geboren, deren Reichtum auf seinen Großvater Thomas Parry zurückging, einem Direktor der East India Company. Neben seinem Schulunterricht in Eton wurde Parry schon früh in der benachbarten St. George‘s Chapel in Windsor von George Elvey in Chormusik unterwiesen; noch in seiner Schulzeit erhielt Parry den Bachelor für Musik in Oxford. In den Schulferien studierte er bei Henry Hugo Pierson in Stuttgart, formalen Kompositionsunterricht erhielt er später bei dem seinerzeit erfolgreichen Komponisten William Sterndale Bennett in London.
Ende 1882 nahm Parry auf Einladung von Sir George Grove einen Lehrauftrag für Musikgeschichte am neu geschaffenen Royal College of Music an, dessen Direktor er schließlich 1894 wurde und bis zu seinem Tode blieb. Zusammen mit dem dort ebenfalls lehrenden Stanford bereitete Parry an der Schwelle zum 20. Jahrhundert der sogenannten „English Musical Renaissance“ um Ralph Vaughan Williams den Boden, zu deren Vertretern auch Arthur Bliss, John Ireland und Gustav Holst gehören. 1900 übernahm Parry zusätzlich die Professur von John Stainer an der Universität von Oxford. Wie seine Symphonien gerieten auch die Chorwerke Parrys nach dessen Tod zunehmend in Vergessenheit – mit Ausnahme seiner Hymne Jerusalem („And did those feet in ancient time...“) nach einem Gedicht von William Blake, die fester Bestandteil der englischen Kirchenmusik wurde und sich zu einer jener inoffiziellen Nationalhymnen entwickelte, die gerne alljährlich im patriotischen Ausklang der Proms-Konzerte in London gesungen werden.
Parrys eigene Musik ist stark von Bach und Brahms geprägt. Seine späten Werke sind formal sehr experimentell und unkonventiell, wie die sechs Ethnischen Kantaten, die fünfte Sinfonie (genannt Symphonic Phantasia 1912) oder seine einzige Sinfonische Dichtung From Death to Life. Er hatte damit jedoch nur wenig Erfolg, obwohl beispielsweise Elgar und Vaughan Williams diese Musik sehr schätzten.
Nach Jahrzehnten des Vergessens rückten ab Anfang der 1970er Jahre Neueinspielungen von Parrys Werken dessen kompositorisches Schaffen wieder ins rechte Licht.
Über den Komponisten Charles Villiers Stanford (1852–1924):
Charles Villiers Stanford wurde als Sohn eines wohlhabenden irischen Anwalts in Dublin geboren. Seine Familie war ausgesprochen musikalisch: Der Vater betätigte sich als Sänger, die Mutter als Pianistin. In diesem Umfeld wurde Stanfords außergewöhnliches Talent schnell erkannt und gefördert. Als Kind lernte er Klavier und Orgel bei bekannten Lehrern in Dublin, bei einer Reise der Familie nach London im Jahr 1864 knüpfte Stanford bereits Kontakte zu dortigen Komponisten und Musikern wie Sir Arthur Sullivan.
Stanford studierte seit 1870 am Queens’ College in Cambridge, von 1874 bis 1876 bei Carl Reinecke in Hamburg und Friedrich Kiel in Berlin. Von 1883 an lehrte er am Royal College of Music in London Komposition, ab 1887 war er Professor für Musik an der Universität Cambridge. Gemeinsam mit Hubert Parry und Edward Elgar trug Stanford gegen Ende des 19. Jahrhunderts entscheidend zur Erneuerung der englischen Musik bei. Stanford galt dabei als strenger Lehrer, der gegenüber seinen Studenten unnachgiebig auf Einhaltung kompositorischer Standards pochte und jede Schlamperei mit einem kurzen „All rot, m‘boy“ („Alles Krampf, mein Junge“) zu quittieren pflegte.
Sein explosives Temperament brachte ihn auch immer wieder in Konflikt mit der Verwaltung der Universität, und auch einige seiner Schüler distanzierten sich später von ihm. Obwohl sein eigenes kompositorisches Schaffen sehr umfangreich ist, werden heutzutage nur noch wenige seiner Werke aufgeführt. Gerade seine über 30 Chorwerke jedoch, darunter das prachtvolle Requiem, op.63 (1897), erfreuen sich aber nach wie vor einer gewissen Beliebtheit.
Ähnlich wie bei Parry sorgten erst recht späte Schallplattenaufnahmen (Ende der 1980er Jahre) für einen zunehmenden Bekanntheitsgrad seines Schaffens.