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Ist das Kunst?
Donnerstag, den 01. Januar 2009 um 14:28 Uhr
Felix Staratschek
Staratschek
Felix Staratschek aus Radevormwald schreibt auf der Basis seiner eigenen Erfahrungen, exzellent beobachtet und auf höchstem Niveau. Er schreibt sich seinen Zorn von der Seele und fragt, "Ist das Kunst"? Vorweg, wenn es einen Schuldigen an dem gibt, was ich hier anspreche, dann bin das ich! Ich bin im Jahr 2008 zu höflich geblieben und habe meine Meinung nicht gesagt und dann kommt so was raus, wie im folgenden beschrieben:

Ich gehöre der katholischen Spezies an, die noch jeden Sonntag zur Kirche geht. Und so war ich 2008 in der Abendmesse, als im Anschluss an den Gottesdienst die Eröffnung einer Kunstinstallation angekündigt wurde. Bekanntlich sind die Rader Katholiken Kunstbanausen, denn Kunst gibt es genug in der Gemeinde. Da ist der Pfarrer Klein, der trotz einiger Macken - wie sie nun mal jeder Mensch hat - schöne Predigten und eine würdige Feier zelebriert, da ist der Küster, der für schöne Krippen, Blumenschmuck, Kerzenlicht, saubere Gewänder, etc. sorgt, da sind die Kirchenchöre, die meistens den Gottesdienst verschönern, da sind die Kunstwerke von Kindern an den Wänden (damit mein ich nicht die Fenster!) und da ist ein Organist, der fast nach jeden Gottesdienst Orgelstücke erklingen lässt, die einem guten Konzert würdig wären. Aber obwohl gerade die Orgelmusik hier eine besondere Qualität hat, rennt das Kirchenvolk, sobald die letzte Note des Schlussliedes verklungen ist aus dem Gotteshaus, wie bei einer militärischen Übung, wo es gilt ein Schiff gefechtsklar zu machen. Vielleicht hat man auch Angst, das die Hückeswagener schneller sind. Und wer nicht nach draußen geht, versucht oft lauter als die Orgel im Kirchenraum zu quatschen, was die wenigen verbliebenen Beter und Kunstfreunde nicht gerade freut. Dementsprechend war die Kirche nach kürzester Zeit trotz Kunstveranstaltung fast leer. Aber jetzt kam das Wunder! Es kamen andere Leute in die Kirche, Bekannte, Granden der Stadt und viele hier noch nie gesehene Gesichter und füllten die Kirche deutlich besser, als zuvor der Gottesdienst. Nun kam es zu den üblichen Ablauf einer solchen Veranstaltung. Viele Worte stellten die Kunst der Zungenfertigkeit dar und während die Leute so schlau redeten wurden irgendwo in der Kirche bunte, gebogene und lila gepiffte Leuchtstoffröhren eingeschaltet. Sie tauchten Teile der Kirche in ein ungewohntes Licht, aber mir persönlich leuchtete nicht ein, was daran Kunst war. Das hätte jeder Depp mit einer bunten Glühbirne aus IKEA ebenfalls machen können. Ein Zuschauer dem mein Missbehagen auffiel zeigte mir in der Kirche die Bilder vom Gottesdienst mit dem Weltjugendtagskreuz. Da hatte der "Künstlerkaplan" Mike Kolp (jetzt im Altenberger Dom und gelegentlich bei www.ewtn.de im Fernsehen) mit ein paar einfachen Lampen und ohne das Blabla einer solchen Veranstaltung die gleichen Effekte erreicht.

Mich hat diese "Kunst" herausgefordert. Ich habe spontan eine eigene Lichtinstallation geschaffen. Da man als Busfahrgast zum Fahrplanlesen immer eine Taschenlampe dabei hat, habe ich die an einer Fensterschnur befestigt und eine Kreuzwegstation damit beleuchtet. Sofort zog diese Installation die Aufmerksamkeit einiger Kunstbewunderer an. In der Taufkapelle war eine Salzfläche verstreut, auf die Fischschatten projeziert wurden. Aus grünen Papier aus dem Schriftenstand habe ich einen Frosch gefaltet und als 3- dimensionales Kunstwerk in den Teich gesetzt. Allerdings scheint diesem Frosch diese Kunst ebenfalls nicht gefallen zu haben, er ist recht bald spurlos verschwunden. So trampelte nun eine ganze Stunde die städtische Kunstbauernschaft durch die Kirche rings um den Altar und füllte den Bereich, wo das Allerheiligste steht und die heiligen Handlungen am Altar vorgenommen werden. Am schlimmsten war aber nicht die Kunst. Viel schlimmer ist, wie leicht sich Leute von so was beeinflussen lassen und die bunten Leuchtröhren genauso bewundern, wie die Politik unserer Kanzlerin! Armes Land, wo so was möglich ist, denke ich. Über die Begeisterung über diese Kunst konnte ich mich nur wundern. Oder waren die alle nur so höflich wie ich und dachten: "Halt den Mund, in ein paar Wochen ist der Spuk vorbei! lass den Leuten ihren Spaß." Aber der Spuk ist nicht vorbei, im Gegenteil: Am 31.12.08 lese ich in der Zeitung, das diese "schöne Kunst" vielen Leuten gefallen hat und daher jetzt dauerhaft für die Kirche beschafft werden soll. Habe ich was verpasst? Ist schon der erste April? Laut Sodukukalender einer Bekannten wäre das möglich! Da verstehe einer die Welt! Für echte Kunst in der Kirche, wie eine gute Orgel oder einen Organisten, einen Küster, guten KindergärternInnen und LehrerInnen, guten Notenheften für die Chöre, etc., da kann man Geld ausgeben. Von mir aus könnte man auch ein schönes Marienbild für die Kirche schaffen. Aber diesen Lichtschrott für das knappe Geld zu kaufen, den der Küster preiswerter aus dem nächsten IKEA zum selber machen hätte holen können, das verstehe ich nicht. Vielleicht bin ich ja mit meiner Meinung ein Außenseiter! Über Geschmack kann man nun mal nicht streiten. Aber das größte Kunstwerk ist noch immer der Mensch. Und in diesem Fall wäre es echte Kunstförderung, wenn die Sparkassenstiftung Frau Gollmanns Andherihilfe ( www.andherihilfe.de ) unterstützen würde oder die Sternsinger. Letztere führen ja mit ihrem Gesang, Kronen und Gewändern die größte und flächendeckenste Kunstaktion durch. Und als Protest gegen diesen Lichtblödsinn empfehle ich daher, dass 2009 diese echten Künstler eine besonders gute Spende zugunsten der Hilfsprojekte erhalten. So kann man Pfarrleitung und Sparkasse freundlich zeigen, wo Kunst und Geld hingehören. Und damit es dazu kommt, sollte dieser Text möglichst vielen gezeigt werden. Und nicht vergessen, ich bin der Hauptschuldige, ich habe damals geschwiegen und hätte das alles abwenden können, hätte ich damals meinen Gefühlen freien Lauf gelassen, Buh gerufen und gepfiffen. Unabhängig vom Kunstgeschmack wünsche ich allen ein gutes und gesegntes Jahr 2009!
 
Abs. Felix Staratschek, Freiligrathstr. 2, 42477 Radevormwald, Chorsänger, Proben freitags ab 9.1.09, 19.15 Uhr, Caritashaus


  Info Radevormwald wurde am 16. Mai 2009 eingestellt. Wir danken unseren zahlreichen treuen Lesern.

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