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Radevormwald: Mehr Arbeitslose und Kurzarbeit
Mittwoch, den 07. Januar 2009 um 11:48 Uhr
Radevormwald: Mehr Arbeitslose und Kurzarbeit
BA
Zum Jahreswechsel 2008/2009 wurden die Auswirkungen der veränderten konjunkturellen Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt in Radevormwald sichtbar. Nachdem bereits im Spätsommer die Kräftenachfrage durch Zeitarbeitsunternehmen zurückging und im November vernehmlich mehr Arbeitslosmeldungen im Oberbergischen Kreis registriert werden mussten, ist jetzt insgesamt die Arbeitslosenzahl sehr klar gestiegen und das Stellenangebot kräftig gesunken.

5.272 Arbeitslosmeldungen in den letzten vier Wochen (12,8 Prozent mehr als im November), bei 4.395 Abmeldungen (12,8 Prozent weniger) führten zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um 866 oder 3,6 Prozent auf 25.202; dies waren jedoch noch 2.192 oder 8,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Auf der anderen Seite erteilten die hiesigen Betriebe noch Vermittlungsaufträge für 599 sozialversicherungspflichtige normale Stellen, 125 oder 17,3 Prozent weniger als im November. Nachdem 822 Stellen besetzt oder auch storniert wurden, blieben noch 1.450 dieser Stellen unbesetzt, 18,8 Prozent weniger als im Vormonat und 17,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Ein weiterer Indikator zeigt die gravierend veränderte Beschäftigungssituation in Teilen der Wirtschaft – die Kurzarbeit: Im November mussten in 50 Firmen rund 1.500 Männer und Frauen Arbeitszeiteinschränkungen und Gehaltsminderungen zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze hinnehmen. Nunmehr erstreckt sich die Kurzarbeit nach vorläufigen Feststellungen auf 147 Betriebe mit rund 4.700 Kurzarbeitern; weitere 38 Anzeigen für mehr als 3.600 Arbeitnehmer werden zurzeit geprüft und bewilligt. Offizielle Daten aus der Statistik werden erst im März vorliegen. Von den 4.700 Kurzarbeitern bezogen fast 4.300 aus konjunkturellen Gründen Kurzarbeitergeld. 2.300 von diesen Arbeitnehmern waren im Rheinisch-Bergischen Kreis beschäftigt, gut 1.700 im Oberbergischen Kreis und fast 300 in Leverkusen. Die Fachleute der Agentur für Arbeit in Bergisch Gladbach rechnen im Januar mit einer erneuten Ausdehnung der Kurzarbeit, da eine Reihe von Betrieben zurzeit noch Arbeitzeitguthaben nutzt.

„Die aktuelle Entwicklung zeigt durch den relativ klaren Anstieg der Arbeitslosigkeit und die bereits jetzt schon kräftige Ausdehnung der Kurzarbeit, dass der Arbeitsmarkt in ein schwieriges Fahrwasser gerät. Jedoch ist die Ausgangsbasis vergleichsweise günstig, denn die Arbeitslosigkeit bewegt sich noch auf dem Niveau der frühen 90iger Jahre. Ich rechne aber damit, dass die Arbeitgeber diesmal bemüht sind ihre Fachkräfte zu halten“, so bewertet Martin Klebe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, die gegenwärtigen Daten. „Die Zahlen der letzten vier Wochen bestätigen die Erkenntnis, dass die Arbeitnehmer ohne bzw. ohne aktuelle Qualifikation die Erstbetroffenen beim Anstieg der Arbeitslosigkeit sind; Betriebe und Arbeitnehmer sollten daher die Möglichkeiten der Weiterbildung offensiv nutzen, insbesondere wenn die betrieblichen Kapazitäten nicht voll ausgelastet sind und so mehr Zeit für derartige Maßnahmen zur Verfügung steht.“ Mit dem Anstieg der Arbeitslosenzahl auf 25.202 stieg auch die Arbeitslosenquote von 6,7 Prozent im November auf nunmehr 6,9 Prozent; vor einem Jahr lag sie noch bei 7,4 Prozent. Da der vermehrte Zugang an Arbeitslosen eher auf Grund von Arbeitsplatzverlusten erfolgte (+19,7 Prozent), stieg auch eher die Zahl der Arbeitslosen, die zu den Kunden der Arbeitsagentur gehörten als die derjenigen, die zum Kundenkreis der Arbeitsgemeinschaften gehörten. 8.955 arbeitslose Männer und Frauen wurden im Dezember von den Geschäftsstellen der Agentur für Arbeit betreut, 692 oder 8,4 Prozent mehr als im November, jedoch noch 306 oder 3,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. 16.247 Arbeitslose zählten zum Klientel der Arbeitsgemeinschaften, 174 oder 1,1 Prozent mehr als im Vormonat, aber noch 1.886 oder 10,4 Prozent weniger als Ende 2007. Die jüngste Zunahme der Arbeitslosenzahlen zeigte sich vor allem bei Kunststoffverarbeiterhelfern, Hilfsarbeitern, Metallhilfsarbeitern, Kraftfahrzeugführern, Maschinisten, Verkäufern, Maler und Lackierern, Lagerhelfern, Bürohilfskräften und Schlossern. Hier bestätigen sich die Erfahrungen aus ähnlichen Entwicklungen der Vergangenheit – die Betriebe trennen sich zuerst von denjenigen Mitarbeitern mit den geringsten Qualifikationen. Der saisonale Einfluss war relativ gering, denn unter den 30 Berufen mit den größten Steigerungen befanden sich lediglich Dachdecker und Dachdeckerhelfer. Obwohl Schweißer und Zerspanungsmechaniker nach wie vor zu den meistgesuchten Arbeitskräften zählen, kam es auch in diesen Berufen zu deutlich vermehrten Arbeitslosmeldungen.

Im Durchschnitt des vergangenen Jahres waren zwischen Wupper und Sieg 26.643 Männer und Frauen arbeitslos, 4.257 oder 13,8 Prozent weniger als im Durchschnitt 2007. Die Arbeitslosenquote sank gleichzeitig von 8,4 auf 7,3 Prozent. Im Laufe des Jahres meldeten sich 54.580 Personen arbeitslos. Gleichzeitig konnten 56.617 Personen aus der Arbeitslosigkeit ausscheiden, dabei begannen 20.114 eine neue Erwerbstätigkeit – 1.521 oder 7,0 Prozent weniger als im vorigen Jahr. Außerdem begannen 10.771 ehemals Arbeitslose eine Ausbildung oder Weiterbildung, 2.082 oder 24,0 Prozent mehr als 2007. Trotz steigender Arbeitslosigkeit und hoher Kurzarbeit boten die hiesigen Betriebe 1.450 Stellen für eine normale sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Gesucht wurden vor allem – teilweise regional begrenzt – Versandkräfte, Krankenpfleger, Altenpfleger, Lagerhilfskräfte, Elektroinstallateure, Bürofachkräfte, Kraftfahrzeug - Instandsetzer, Friseure, Erzieherinnen, Schweißer und Lagerverwalter. Der Rückgang der Kräftenachfrage in den letzten vier Wochen resultierte nicht nur aus einem geringeren Interesse an Helfern, sondern auch an Fachkräften wie Schweißern, Fräsern, Bürofachkräften und Drehern. Im Laufe des Jahres wurden der Agentur für Arbeit und den Arbeitsgemeinschaften 11.495 normale Stellen gemeldet; 58 oder 0,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Gleichzeitig wurden 11.795 derartige Stellenangebote erledigt, 707 oder 6,4 Prozent mehr als 2007. Im Jahresdurchschnitt blieben 1.999 dieser Stellen unbesetzt, 97 oder 4,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Nach den Sommerferien trat die Trendwende auf dem hiesigen Arbeitsmarkt ein, die zuerst im rückläufigen Stellenangebot durch Zeitarbeitsunternehmen sichtbar wurde: Waren durch sie im August 2008 noch 732 Stellen gemeldet, so sank dieses Angebot in den Folgemonaten auf 637 im September, auf 577 im Oktober und 506 im November auf nunmehr 373. Die Entwicklung wurde dabei besonders im Oberbergischen Kreis sichtbar, denn hier reduzierte sich allein im Dezember das Angebot dieser Branche um 31,9 Prozent auf 190. Im Oberbergischen Kreis mit seinem hohen Beschäftigungsanteil des Verarbeitenden Gewerbes erfolgte im Dezember der deutlichste Anstieg der Arbeitslosigkeit um 522 oder 6,2 Prozent auf 8.928; dies waren noch 324 oder 3,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Rheinisch-Bergischen Kreis stieg diese Zahl im Dezember um 2,9 Prozent und in Leverkusen um 1,3 Prozent; hier wurden auch die Vorjahreswerte mit -12,0 Prozent bzw. -8,1 Prozent deutlicher unterschritten. In Bergneustadt, Lindlar, Marienheide, Reichshof, Waldbröl und Wiehl wird mittlerweile der Vorjahresstand erreicht bzw. überschritten. In den letzten vier Wochen stieg die Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent auf 6,2 Prozent und lag damit noch um 0,2 Prozentpunkte unter dem Vorjahresstand. Die aktuelle Entwicklung ging aufgrund seiner Ursachen im Verarbeitenden Gewerbe insbesondere zu Lasten der Männer, denn ihre Zahl stieg im Dezember überproportional um 370 oder 9,1 Prozent auf 4.455 und lag damit auch um 109 oder 2,5 Prozent über dem Stand vom Dezember 2007. Hingegen erhöhte sich die Zahl arbeitsloser Frauen nur um 152 oder 3,5 Prozent auf 4.473 und blieb noch um 433 oder 8,8 Prozent unter dem Stand des Vorjahres. 3.672 Arbeitslose zählten zu den Kunden der drei Geschäftsstellen der Agentur, 390 oder 11,9 Prozent mehr als im November und 329 oder 9,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. 5.256 Arbeitslose wurden von den Standorten der ARGE Oberberg betreut, 132 oder 2,6 Prozent mehr als im Vormonat, aber noch 653 oder 11,1 Prozent weniger als vor zwölf Monaten. Im Durchschnitt des Jahres 2008 waren im Oberbergischen Kreis 9.115 Männer und Frauen arbeitslos, 1.408 oder 13,4 Prozent weniger als 2007. Die Arbeitslosenquote betrug im Jahresdurchschnitt 6,3 Prozent nach 7,3 Prozent im vergangenen Jahr. Im Laufe des Jahres hatten sich 22.479 Personen arbeitslos gemeldet und 22.715 abgemeldet; von ihnen waren 7.952 in eine Erwerbstätigkeit eingemündet, 932 oder 10,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

In den Betrieben innerhalb des Kreisgebiets waren im Dezember 552 Stellen für eine normale sozialversicherungspflichtige Beschäftigung unbesetzt, 141 oder 20,3 Prozent weniger als im November und 100 oder 15,3 Prozent weniger als im Dezember des Vorjahres. Die 552 freien Stellen erstreckten sich über 200 unterschiedliche Berufe, dabei entfielen die meisten Angebote auf Krankenpfleger, Schweißer, Elektroinstallateure, Sozialarbeiter, Friseure, Zerspanungsmechaniker und Werkzeugmacher. In der Kreismitte, dem Geschäftsstellenbezirk Gummersbach, stieg in den letzten vier Wochen die Arbeitslosenzahl um 259 oder 5,9 Prozent auf 4.686; dies waren nur noch 133 oder 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote liegt nun bei 6,0 Prozent nach 5,7 Prozent im Vormonat und 6,1 Prozent im Dezember 2007. 1.956 Arbeitslose zählten zu den Kunden der Agentur für Arbeit und 2.730 zu denen der ARGE Oberberg. Während die Zahl der Arbeitslosen, die von der Arge betreut wurden, noch unter dem Vorjahresstand blieb; wurde die Zahl im Zuständigkeitsbereich der Agentur um 226 oder 13,1 Prozent überschritten. 4.841 Männer und Frauen waren im Jahresdurchschnitt 2008 im Geschäftsstellenbezirk arbeitslos, 659 oder 12,0 Prozent weniger als in 2007. Dadurch sank die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote von 7,0 Prozent auf 6,2 Prozent. 253 Stellen für normale sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen waren zum Jahreswechsel noch offen, 100 oder 28,3 Prozent weniger als vier Wochen zuvor und 58 oder 18,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gesucht wurden vor allem Schweißer, Sozialarbeiter, Krankenpfleger, Friseure und Konstruktionstechniker. Auch im Kreissüden, dem Geschäftsstellenbezirk Waldbröl, nahm die Arbeitslosenzahl deutlich zu: Hier wurden im Dezember mit 2.347 arbeitslosen Männern und Frauen 141 oder 6,4 Prozent mehr gezählt als noch im November, aber 50 oder 2,1 Prozent weniger als im vorigen Jahr. 949 Arbeitslose zählten zu den Kunden der Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit in Waldbröl, 1.398 wurden von den Standorten der ARGE Oberberg betreut. Die Arbeitslosenquote erreichte mit 7,0 Prozent nach 6,6 Prozent im Vormonat fast wieder den Stand des Vorjahres mit 7,1 Prozent. Im Jahresdurchschnitt blieben im Südkreis 2.336 Männer und Frauen arbeitslos, 320 oder 12,0 Prozent weniger als in 2007. Die Arbeitslosenquote sank gleichzeitig von 7,9 Prozent auf 7,0 Prozent. Für eine normale sozialversicherungspflichtige Beschäftigung boten die Betriebe zuletzt 110 Stellen an, 19 oder 14,7 Prozent weniger als im November und 16 oder 12,7 Prozent weniger als im Dezember des Vorjahres. Gesucht wurden insbesondere Elektroinstallateure, Schweißer, Reisende und Ärzte.

Die deutlichste Zunahme der Arbeitslosigkeit verzeichnete im Dezember das Städtedreieck im Norden des Oberbergischen Kreises: Im Geschäftsstellenbezirk Wipperfürth stieg im letzten Monat des Jahres die Zahl der Arbeitslosen um 122 oder 6,9 Prozent auf 1.895, dies waren noch 141 oder 6,9 Prozent weniger als ein Jahr vorher. 767 Arbeitslose wurde durch Geschäftsstelle der Agentur betreut und 1.128 durch die Standorte der Arge. Die Arbeitslosenquote betrug 5,8 Prozent nach 5,4 Prozent im Vormonat und 6,2 Prozent im Vorjahr. Auf der Basis der jahresdurchschnittlichen Werte war die Entwicklung im Nordkreis sehr positiv verlaufen, denn die Arbeitslosenzahl sank um 429 oder 18,1 Prozent auf 1.937. Gleichzeitig reduzierte sich die entsprechende Arbeitslosenquote von 7,2 Prozent auf 5,9 Prozent. Auch zwischen Wipperfürth und Radevormwald sank in den letzten Wochen das Stellenangebot für eine normale sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Mit 189 lag die Zahl dieser Stellen um 22 oder 10,4 Prozent niedriger als im November und um 26 oder 12,1 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Gesucht wurden insbesondere Krankenpfleger, Schleifer, Werkzeugmacher, Schlosser und Altenpfleger.

  Info Radevormwald wurde am 16. Mai 2009 eingestellt. Wir danken unseren zahlreichen treuen Lesern.

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