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Keine Frühjahrsbelebung auf dem hiesigen Arbeitsmarkt
Dienstag, den 31. März 2009 um 20:28 Uhr
Foto: BADie Arbeitsmarktbilanz für den März 2009 fällt im Vergleich zu den Vorjahren aus dem Rahmen: In den letzten 30 Jahren war eine Zunahme der Arbeitslosigkeit im März die Ausnahme: Zuletzt gab es im März 2005 einen leichten Anstieg weil die Übernahme der erwerbsfähigen Sozialhilfeempfänger noch nicht abgeschlossen war. Im März 1987 erfolgte ebenfalls eine leichte Zunahme; lediglich im März 1983 erfolgte ein Anstieg, der im Umfang mit dem diesjährigen vergleichbar ist. Beim Stellenangebot bildet der diesjährige Rückgang ebenfalls eine Ausnahme. Aufgrund der bisher vorliegenden Anzeigen über Kurzarbeit erreicht dieses Instrument bisher nicht gekannte Dimensionen. Die derzeitige Konjunkturlage und die eher negativen Zukunftserwartungen von Teilen der Wirtschaft führten zu einer zurückhaltenden Einstellungsbereitschaft der Betriebe, die im Gegensatz zu der jahreszeitüblichen Entwicklung steht. Trotzdem konnten wie im Vormonat mehr als 1.400 Männer und Frauen aus der Arbeitslosigkeit in eine Erwerbstätigkeit wechseln. Gleichzeitig mündeten aber mehr als 2.300 Arbeitnehmer/-innen aus einer Erwerbstätigkeit in die Arbeitslosigkeit; auch diese Zahl lag auf dem Niveau des Vormonats. Ohne die größere Inanspruchnahme von Bildungs- und Trainingsmaßnahmen wäre der Anstieg der Arbeitslosigkeit noch größer ausgefallen. Mit 28.263 Arbeitslosen im März 2009 wurde der Stand vom Februar um 551 oder 2,0 Prozent überschritten und erstmals nach fast drei Jahren auch der Stand des Vorjahres um 159 oder 0,6 Prozent. Diese Entwicklung vollzog sich je nach Rechtskreis sehr unterschiedlich: Der Kundenkreis der Agentur für Arbeit wuchs im März um 314 oder 2,9 Prozent auf 11.301 und lag damit um 1.515 oder 15,5 Prozent über dem vom März 2008. Die Zahl der arbeitslosen Kunden der Arbeitsgemeinschaften (im wesentlichen Langzeitarbeitslose) wuchs um 237 oder 1,4 Prozent auf 16.962 und lag damit noch um 1.356 oder 7,4 Prozent unter dem Stand vom Vorjahr. Mit der Gesamtzahl von 28.263 Arbeitslosen waren 7,7 Prozent aller zivilen Erwerbspersonen arbeitslos (Arbeitslosenquote), im Vormonat betrug diese Quote wie im Vorjahr 7,6 Prozent. War es vor einem Jahr für viele Betriebe noch ein Grundsatz der Personalpolitik das aktuelle Wissen der jüngeren Arbeitnehmer mit der Erfahrung der älteren Arbeitnehmer zu kombinieren, so hat sich dies gänzlich gewandelt: Die Zahlen gerade der unter 25-Jährigen und der 50 Jahre und älteren Arbeitslosen steigen überdurchschnittlich. Obwohl der Fachkräftebedarf nach wie vor akut ist und sich schon demographisch bedingt in den nächsten Jahren verstärken wird, fanden in den letzten Wochen zahlreiche Ausbildungsabsolventen keine Anschlussbeschäftigungen. Im Zusammenhang mit den steigenden Arbeitslosenzahlen empfiehlt die Agentur für Arbeit sich rechtzeitig arbeitslos zu melden. Unabhängig von der rechtlichen Verpflichtung zur frühzeitigen Arbeitslosmeldung können so mögliche Chancen ergriffen werden und gegebenenfalls kann man nahtlos in eine neue Beschäftigung münden. In berufsfachlicher Hinsicht gab es die meisten zusätzlichen Arbeitslosen bei den Hilfsarbeitern, den Helfern in den Produktions-, Logistik- und Gastronomieberufen, den Reinigungsberufen, den Verkaufsberufen – aber auch bei Bürofachkräften, Zerspanungsmechaniker (sowohl Dreh- als auch Frästechnik) und den Schweißern. Arbeitnehmer in den drei letztgenannten Berufen wurden noch vor wenigen Monaten dringend gesucht; nach wie vor existiert für sie noch eine Nachfrage, aber sie hat merklich nachgelassen. Andererseits gab es auch Berufe, in denen die Arbeitslosigkeit zurückging, wie z. B. für Friseure, Einzelhandelskaufleute, Helfer im Baubereich, Erzieherinnen und Krankenpflegekräfte. Mit dem Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente konnte für zahlreiche Personen im Bezirk der Agentur für Arbeit Arbeitslosigkeit beendet oder verhindert werden. Ohne derartige Maßnahmen (Berufliche Weiterbildung, Berufliche Rehabilitation, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Arbeitsgelegenheiten) wäre die Arbeitslosenzahl um 3.438 Männer und Frauen höher ausgefallen, vor einem Jahr lag die Entlastungswirkung bei 3.053. Damals wurden außerdem weitere 1.275 ältere Arbeitslose nicht gezählt, die sich verpflichtet hatten zum nächstmöglichen Zeitpunkt ins Rentensystem zu wechseln; diese Regelung ist jedoch Ende 2008 ausgelaufen. Seitens der hiesigen Betriebe wurden im März Vermittlungsaufträge für 525 Stellen in einer normalen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erteilt, im Februar waren es noch 618 und im März 2008 noch 919. Nach 619 abgebuchten Stellen blieben noch 1.265 unbesetzt, 93 oder 6,8 Prozent weniger als im Vormonat und 565 oder 30,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders häufig wurden Stellen von Zeitarbeitsunternehmen und privaten Vermittlern angeboten, aber auch aus der Sozialversicherung, Krankenhäusern, Ausbaubetrieben, Gastronomie und Altenpflege. Die Betriebe und Verwaltungen suchten vor allem Altenpfleger, Friseure, Krankenpflegekräfte, Elektroinstallateure, Bürofachkräfte, Erzieherinnen, Schweißer, Restaurantfachleute, Maler und Lackierer sowie Betreuer und Pfleger in Heimen. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Nachfrage für Produktionskräfte nachgelassen und die für Kräfte im sozialen Bereich zugenommen. Zurzeit sind Kurzarbeitsanzeigen von 434 Firmen für bis zu 17.417 Arbeitnehmer bewilligt worden. Bei 126 Anzeigen für 1.675 Arbeitnehmer steht eine Bewilligung noch aus. Die bewilligten Fälle verteilen sich auf 111 Betriebe im Rheinisch-Bergischen Kreis für bis 3.684 Arbeitnehmer, 274 Betriebe im Oberbergischen Kreis für bis zu 11.499 Arbeitnehmer und 49 Betriebe in Leverkusen für bis 2.234 Arbeitnehmer. Das tatsächliche Ausmaß der Kurzarbeit wird erst in einigen Wochen vorliegen. Ohne die Inanspruchnahme von Kurzarbeit würde die Arbeitslosigkeit deutlich höher ausfallen und ohne die Beschäftigung durch Kurzarbeit würden Betriebe eingearbeitete Fachkräfte verlieren. Die Zeit der Kurzarbeit bietet auch die Chance Mitarbeiter zu qualifizieren. Manche Betriebe scheuen noch vor dieser Möglichkeit zurück. Die Qualifizierungen sind meist modularer Natur und Unternehmen werden durch sie in ihrer Flexibilität nicht eingeengt. Bei plötzlichen Auftragseingängen können die Qualifizierungen abgebrochen werden, sie müssen es aber nicht. Unter bestimmten Umständen kann die Agentur für Arbeit Lohnkostenzuschüsse an den Arbeitgeber zahlen, damit er so lange, bis sein Mitarbeiter die Qualifizierung abschließt, eine andere Kraft einstellen kann. Der regionale Schwerpunkt der aktuellen Zunahme der Arbeitslosigkeit lag – wie bei der Kurzarbeit – im Oberbergischen Kreis; hier gibt es vergleichsweise mehr Betriebe und Arbeitsplätze, die von der Situation der Automobilbranche abhängen. Nur in den oberbergischen Kommunen werden schon mehr Arbeitslose als im Vorjahr gezählt; die Arbeitslosigkeit im Rheinisch-Bergischen Kreis und in Leverkusen unterschreitet noch die Vorjahreszahlen. Besonders kräftig stieg im Vorjahresvergleich die Arbeitslosigkeit in Bergneustadt, Marienheide, Reichshof und Wiehl. Lediglich in Engelskirchen, Hückeswagen und Morsbach wurde bei den oberbergischen Kommunen der Vorjahresstand noch leicht unterschritten. Nach 1.008 Arbeitsplatzverlusten oberbergischer Arbeitnehmer/innen und 633 Arbeitsaufnahmen stieg im Oberbergischen Kreis die Arbeitslosenzahl zwischen Februar und März um 266 oder 2,5 Prozent auf 10.787; dies waren 1.155 oder 12,0 Pro-zent mehr als im März 2008. Die Arbeitslosenquote stieg von 6,6 Prozent im Vorjahr über 7,3 Prozent im Vormonat auf nunmehr 7,5 Prozent. Da der gegenwärtige Anstieg der Arbeitslosigkeit im Wesentlichen auf Entlassungen basiert, wuchs besonders der Kundenkreis der Agentur für Arbeit: Mit 5.107 arbeitslosen Männern und Frauen wurde der Februarstand um 169 oder 3,4 Prozent überschritten und der Vorjahresstand um 1.466 oder 40,3 Prozent. In den Job-Centern der Arbeitsgemeinschaft-Oberberg wurden 5.680 Arbeitslose gezählt, 97 oder 1,7 Prozent mehr als vor vier Wochen und noch 311 oder 5,2 Prozent weniger als vor zwölf Monaten. In berufsfachlicher Hinsicht waren es Hilfskräfte in unterschiedlichen Berufssparten, Kraftfahrer, Versandkräfte sowie Reinigungskräfte, die die gegenwärtige Ausdehnung der Arbeitslosigkeit trifft. Ein Zeichen, dass die Betriebe ihre Fachkräfte weitgehend halten wollen; nur in vereinzelten Fällen kam es zu weiteren Arbeitslosmeldungen von Kfz.-Instandsetzern und Schweißern.

  Info Radevormwald wurde am 16. Mai 2009 eingestellt. Wir danken unseren zahlreichen treuen Lesern.

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