Für das Klimabündnis Oberberg, bestehend aus attac, BUND, BWE, NABU, NOVE, RBN / LNU, bittet Rainer Knorz aus Radevormwald, das Meinungsbild von Werner Stratmann gegen den Atomstrom zu veröffentlichen.
Argumente gegen Atomstrom Aus gegebenem Anlass meine ich, als ehemaliger Atomstrom-Befürworter, die Sachlage der Diskussion zum Atomstrom aus meiner Sicht darstellen zu müssen. Als Mitarbeiter einer bekannten Überwachungsorganisation habe ich mich bisher zurück gehalten. Als baldiger Rentner meine ich Stellung nehmen zu müssen: Es ist nach meiner Überzeugung völlig richtig, was das Kontra gegen den Atom-Strom anbelangt. Die Atom-Strom Lüge des RWE gehört schonungslos aufgedeckt. Jedoch sind die bestehenden, laufenden Kernkraftwerke eine reine Gelddruckmaschine. Klar, dass die Stromlieferanten auf diese Gelddruckmaschinen nicht verzichten wollen! Aus Unternehmersicht kann das Geldpolster natürlich nicht dick genug sein! Ich fasse die Hauptgründe dieses Atomkontras noch einmal aus meiner Sicht zusammen: Zunächst: Ich selbst habe neben der Thermischen Verfahrenstechnik (in dem die Kerntechnik in den 1970'iger Jahren ein wesentlicher Bestandteil war) Kerntechnik als ein Hauptfach an der TU Hannover gehört und mit einer Prüfung abgeschlossen, weil ich der Meinung war, die Kerntechnik würde ein für allemal das Energieproblem der Menschheit für alle Zeit lösen. Die notwendige Wärme für den Energiewandel wird nicht mehr chemisch sondern physikalisch erzeugt. (Ich bezeichne mich darum als Kernenergiekenner, zumal ich einige Jahre in der Kernkraftkomponenten zuliefernden Industrie als verantwortlicher Auftragsführer gearbeitet habe und später in der bauüberwachenden Branche). Inzwischen bin ich vor allem durch die Einblicke im Rahmen meiner beruflichen, bauüberwachenden und gutachterlichen Tätigkeit vom Saulus zum Paulus geworden. Es würde jedoch den Rahmen dieses Artikels total sprengen, wollte ich alle Gründe, die gegen die Erzeugung von Atomstrom sprechen, auflisten. Die Technik eines Kernkraftwerkes ist derart Komplex, dass Willi Brandt bereits sagte ’’Eine Technik, die wegen ihrer Komplexität und Gefährlichkeit nicht versagen darf, ist eine Sch …. technik’’. Die Befürworter können als Argument anführen, was sie wollen, eines können sie nicht negieren, die Spaltprodukte sind nun einmal vorhanden und lassen sich nicht eleminieren. Laut Nuklidtabelle der chemischen Elemente strahlen diese Spaltprodukte mit der durchdringenden Gammastrahlung noch mehrere 'zigtausend Jahre. Alles, was diese Spaltprodukte inert (mit der Umwelt nicht reagierend) machen könnte (z. B. in Glas einschmelzen oder in die Sonne schießen), ist äußerst energie- und kapitalaufwendig. Das lassen sich die Stromerzeuger natürlich gerne von der Gesellschaft bezahlen. Auch für die Umweltschäden soll der Staat (die Gesellschaft) aufkommen. Alles was über die reine Stromerzeugung hinaus viel Geld kostet, soll die Allgemeinheit tragen. (So ist es zur Zeit) Den Charme der jahrtausendelangen überwachten und sicheren Lagerung von Atommüll kann man zur Zt. im Endlager Asse bewundern. Die Erfahrung zeigt also, dass eine sichere Lagerung über lange Zeit nicht garantiert werden kann. Von dem Überwachungsaufwand einmal ganz abgesehen. Dabei lasse ich die Gefährlichkeit und Schmutzigkeit der Urangewinnung einmal außen vor. Jedenfalls ist die Erstellung eines Kernkraftwerkes sehr, sehr Energieaufwendig. Die CO2-Bilanz ist darum auch negativ und sehr umstritten. Sie hängt von der Laufzeit eines Kernkraftwerkes ab. Wegen der Langwierigkeit der Kraftwerkserstellung (> 10 Jahre) will m. W. n Deutschland auch kein einziger Stromlieferant ein Kernkraftwerk neu bauen.
Es geht einzig und allein um die bereits laufenden Gelddruckmaschinen! Dabei entstehen aber die besagten Spaltprodukte und es muss laufend frisches Uran gewonnen werden (übrigens sind bei gleich bleibendem Bedarf die bekannten Uranvorkommen schneller aufgebraucht, als das Öl! und diese Vorkommen liegen alle außerhalb von Deutschland). Im weiteren ist der Mensch ethisch und moralisch nicht in der Lage, eine derartig gefährliche Technik zu beherrschen. Der Korruption sind Tür und Tor geöffnet. Dazu nur drei von vielen Beispielen (es handelt sich um wirklich geschehene Beispiele): 1. Ein Entsorger von schwach radioaktivem Abfall entsorgt seine "Ladung" gegen Geld irgendwo unkontrolliert in der Landschaft und deklariert den Abfall als "Gewerbemüll". 2. Eine Reinigungskolonne aus Anatolien bekommt einen weißen Kittel an und muss in bestimmten Bereichen vor einer Reparatur ein wenig sauber machen und wird nach getaner Arbeit völlig ahnungslos wieder nach Hause geschickt, allerdings völlig verstahlt. Es kann sogar die Lebensdosis überschritten sein. 3. Einem Schweißer (den es in Deutschland wegen seiner Schweißfertigkeit nur selten gibt) wird im Rahmen einer Reparatur gesagt, er solle sein volles Strahlendosimeter fallen lassen, damit man es nicht mehr ablesen könne, damit dieser Schweißer (oder jeder andere Spezialist) am nächsten Tag weiterarbeiten kann. Er würde für sein Wiederkommen auch mehr Geld bekommen. Aus diesen Beispielen (die sich beliebig ergänzen ließen) ersieht man, dass der Mensch für Geld bereit ist, nahezu alles zu tun! Strahlung sieht man ja nicht und selber merkt man es u. U. erst nach vielen Jahren. Bei der Wiederaufbereitung muss man das anfallende Plutonium beherrschen. Der Wiederaufbereitungsprozess ist chemisch und verfahrenstechnisch hoch kompliziert und ebenfalls sehr energie- und gerättechnisch aufwendig. Mit der Beherrschung des Problems Plutonium (U 239 - das an sich als Alphastrahler bereits toxisch ist, da die ionisierende Alphastrahlung (es handelt sich um eine Teilchenstrahlung bestehend aus Helium-4-Atomkernen, Alphateilchen genannt, welche aus zwei Protonen und zwei Neutronen bestehen) biologisch extrem zellschädigend, karzinogen wirkt) fühlte sich die Atomindustrie ohnehin finanziell überfordert, weshalb sie froh war, den Ausstieg aus dieser Technologie als "erzwungen" hinnehmen zu müssen. Zum Beispiel: Die Wiederaufarbeitung von abgebranntem Kernbrennstoff im franz. La Hague und im brit. Sellafield führt bekanntermaßen zu regelmäßigen Störfällen und ständigem "Output" von radioaktiven Wässern ins offene Meer. Übrigens noch eins: Man braucht Plutonium jedoch zur Herstellung von Atomwaffen. Strahlung ist ein Teufelszeug, man kann sie nicht sehen, nicht riechen und nicht schmecken. Man spürt sie nicht - auch sogenannte schwache Radioaktivität -!! Nur die schlimmen, gesundheitlichen Folgen kennt man "ein wenig". Die Kerntechnik wird bei Natur- und Umweltfreunden als Teufelswerk vehement abgelehnt. Mit meinem kleinen Beitrag möchte ich klar machen, dass ich neben dem Kernkraftspezialisten, dem ehemaligen Geschäftsführer von Interatom Prof. Klaus Traube als Kernkraftinsider (der jahrelang Komponenten in Kernkraftwerken verantwortlich konstruierte) extrem gegen die weitere Verwendung von Kernenergie bin. Der Ausstieg aus der Atomkraft darf m. Überzeugung nach auf keinen Fall rückgängig gemacht werden, im Gegenteil, wir müssten sofort damit aufhören!!! Wir haben jetzt bereits viel zu viel Abfallmasse und es entsteht laufend mehr! Wir brauchen die Kernkraft nicht mehr!! Deren Gefährlichkeit habe ich damals nicht erkannt und die Abfallproblematik verkannt. Auf alle angedeuteten Probleme können wir verzichten, wenn wir regenerative Energiequellen nutzten. Das ist ethisch unbedenklich, ungefährlich, schonend für die Umwelt, relativ einfach (die Techniken sind vorhanden), hält jahrtausendelang vor, steht allen Menschen gleichmäßig und gerecht zur Verfügung und schafft darüber hinaus jede Menge Arbeitsplätze. (Übrigens auch der sparsame Umgang mit Energie). Nehmen wir diese Herausforderung zur gerechten Energieumwandlung doch an und benutzen unsere grauen Gehirnzellen. Je schneller und nachhaltiger wir umsteuern, je früher können wir auf klimaschädigende Techniken verzichten. Also möglichst schnell und oft regenerative Energien nutzen und sparsam mit Energie umgehen! Werner Stratmann aus Gummersbach.
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